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Vorwort zum Katalog Gudrun Lomas Malerei 2002

Spazierflug im Sonnengarten

Es ist, als hätte der Pinsel sich selbständig gemacht, die blaue Farbe mitgenommen - und ab in die Luft zum "Spazierflug im Sonnengarten". Gudrun Lomas folgt in ihrer Malerei keinen Spielregeln oder Dogmen. In einer Fülle von Anknüpfungpunkten zu Natur, Gegenständen und Träumen entwickelt sich ihr eigenes individuell erlebtes Sinnbild, das sich auf der Schwelle von gegenständlicher zu abstrakter Formensprache bewegt. Ihr elementares Gefühl für Farben läßt ihre Bilder gleichsam wie in einem Fest des Lebens aufleuchten. Nicht von ungefähr steht ein "Paradiesvogel" metaphorisch am Anfang des Kataloges für den bejahenden Blick der Künstlerin auf die Welt. Versteht sie es einerseits mit sicherem, kräftigen Farbauftrag eindringliche Bildaussagen zu treffen, hält sie in anderen Bildlösungen auch sanfte bis melancholische Tonskalen bereit. In vielen ihrer Bilder, die seit 1995 entstanden, legt Gudrun Lomas Pfade der Neugier. Wer ihnen folgt, nimmt teil an Entdeckungsreisen: Profane Schuppen werden zum geheimnisvollen Ort, schwarz-gelbes Dickicht öffnet sich - man wünscht sich in die Landschaft dahinter, ein weißes Haus leuchtet einsam in der Dämmerung, das Tor zu Naxos schwebt in atmosphärischem Blau. Bei ihrem Bild "Innere Landschaft" ist mir, als könnte ich einsteigen in ein Gebirge mit Höhlen und Seen. Sinnliche Unmittelbarkeit, Gefühlsreichtum und intelligente Bildideen zeichnen ihre stärksten Bilder aus. Man spürt, sie lebt im Einklang mit sich selbst und den Dingen der Welt. So ist Gudrun Lomas auch, wenn sie nicht malt. Dann stellt sie ihre Gestaltungsfreude, ihren ansteckenden Humor und nicht zu vergessen ihre Zivilcourage in den Dienst von anderen Projekten, sei es in die Gründung von Galerien, Organisation von Künstlerbegegnungen, in das Konzept eines Jugendprojektes. Schon als Kind malte sie gern "glückliche Bilder" - am meisten liebte sie Bilder von der Apfelernte. Beide Wünsche gingen in Erfüllung. Ihre Ernte kann sich in jeder Hinsicht sehen lassen.

Petra Delport, Berlin 2002


Rede zur Vernissage in der Galerie kit, Hamburg

Liebe Kunstfreunde,

ich begrüße Sie herzlich zu dieser Ausstellung, danke Ihnen für Ihr Interesse und habe die Ehre und Freude Ihnen heute Abend eine kurze Einführung in die Bildwelten von Gudrun Lomas und Kuno Lomas geben zu dürfen. Beginnen will ich mit einem Haiku eines unbekannten japanischen Dichters :

Des Tigers Herz birgt allerlei
Er war im Dunklen
War im Hellen


Die Bildwelten von Lomas und Lomas bergen auch allerlei - Nämlich Die offensichtliche Lust an der Malerei.
Das Verbinden des Äußeren mit dem Inneren.
Das Suchen nach dem Wesen der Dinge.
Das Aufspüren des Verborgenen.
Die Spannung der Gegensätze.
Das Mysthische der Spiegelung.
Die Widersprüche im Alltäglichen und im Besonderen.
Der Anblick einer Landschaft in der Abenddämmerung :
Das Zwielicht verändert die Wahrnehmung und die Welt des Traumes rückt näher. Das Greifbare entfernt sich und das Schattenhafte verdichtet sich . Gudrun Lomas liebt diese Stimmung und lässt sie in viele ihrer Bilder einfließen. Mit weichen großzügigen, oft transparenten Farbflächen , denen sie irritierende Kontraste entgegensetzt, spiegelt sie Gegenständliches und scheinbar Alltägliches in eine poetische, traumhaft anmutende Bildwelt hinein. Ein Zweiglein im Geäst des wilden Weins : gewachsen in Form eines grazilen Tänzers , ein seltsamer Stein , ein verrostetes Stück Eisen, diese Funde sind oft Inspiration für Arbeiten von Kuno Lomas , dessen ursprüngliche Metiers die Graphik und Bildhauerei sind. Als "Jäger und Sammler" fasziniert ihn einerseits das Schamanentum und seine eigene inneren Beziehung zur Natur - andererseits betrachtet er seine Fundstücke auch unter dem Aspekt der Bildhauerproblematik und zeigt oft eine zeichenhafte, kalligraphische Herangehensweise in seiner Malerei. Bei dem Entstehungsprozeß eines Kunstwerkes von Lomas und Lomas werden Beobachtungen und Fundstücke aus dem Alltag in spontan hingeworfenen Aquarellen, schnellen Zeichnungen oder fotografischen Schnappschüssen festgehalten um später als Gemälde ( oder in Kuno Lomas Fall auch als Skulptur) eine ganz eigene, neue Welt zu bilden. So wird ein gewöhnliches Essbesteck , das normalerweise mit einem kultiviertem Essritual assoziiert wird , durch die Farbwahl , die Lichtgebung und die extreme perspektivische Darstellung auf der Leinwand zu einem monströsen , menschlichen Werkzeug des Zerteilens. Ein kleines Stück Eisenabfall mutiert zu einer Monumentalskulptur. Ein einfacher Traktorensitz wird zu etwas, das geradewegs aus dem Weltraum kommend auf dem benachbarten Feld gelandet zu sein scheint. "Es liegt was in der Luft" . Die ursprüngliche Bedeutung des Objektes und sein Zusammenhang mit der Umgebung wird aufgehoben , zugunsten der subjektiven Bild - erfindung und dem kre- iren einer bestimmten Bildatmosphäre. Die künstlerische Vorgehensweise von Lomas und Lomas , ( die übrigens auch gemeinsam Papier und Leinwand bearbeiten) orientiert sich nicht an Vorbildern anderer Künstler. Sie ist Eigen- sinnlich , experimentierfreudig, spontan , gefühlsbetont und unterwirft sich keinen Zwängen des Kulturbetriebes . Ihre Malerei ist manchmal voll von farbrauschhaftem Überschwang , wie in den Blumendarstellungen , manchmal reduziert und geheimnisvoll wie in den Landschaftsbildern, manchmal von skurriler Heiterkeit oder auch unheimlich , wie in dem tiefen und zugleich fremden, starren Blick des roten Fisches .

Des Tigers Herz birgt Allerlei
Er war im Dunklen
War im Hellen


Nochmals
Der Anblick einer Landschaft in der Abenddämmerung :
Das Zwielicht verändert die Wahrnehmung und die Welt des Traumes rückt näher . Das Greifbare entfernt sich und das Schattenhafte verdichtet sich . Lomas und Lomas Bilder spiegeln Ihre Erfahrungen , Gedanken und Gefühle in einer sehr essenzhaften , persönlichen Weise . Aus ihnen spricht die Lebenserfahrung, Aufgeschlossenheit , Neugierde der Künstler, leidenschaftliches Interesse an der Natur und Poesie, handwerkliches Können und vor Allem aber die Liebe zur Kunst. Für eure Liebe zum Leben , zur frischen , freien Kunst und für euer Engagement zur Unterstützung von vielen Künstlerkollegen(damit meine ich auch die vielen internationalen Künstlersymposien die immer wieder Dank euch beiden stattfinden,) Austausch von Kommunikation und Freundschaft danke ich euch beiden, liebe Gudrun, lieber Kuno . Und nun lesen Gudrun Lomas und Kuno Lomas für Sie jeweils eines Ihrer Lieblingsgedichte. Danke für Ihre Aufmerksamkeit und viel Freude in dieser schönen und spannenden Ausstellung.

Laura Pearsall ,
Berlin den 05.10.2006


 

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